Wie risikoreich ist eine PEG?
Eine perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) ist ein Verfahren der medizinischen Ernährung, die seit den 1980er Jahren in Deutschland etabliert ist.
Insgesamt ist die PEG mit geringeren Risiken verbunden. Nur in sehr seltenen Situationen kann es zu Wundinfektionen oder Entzündungen im Bauchraum kommen. Die Ernährungssonde selbst und die sich in der Bauchdecke befindende »Halteplatte« bestehen aus Kunststoff und sind jahrelang haltbar. Trotz der Robustheit und jahrzehntelangen Erprobung kann es im Einzelfall zu Materialermüdung und der Notwendigkeit eines Materialaustausches kommen.
Das operative Verfahren der PEG-Anlage ist ebenfalls seit Jahrzehnten etabliert und eine gängige Prozedur, die in zahlreichen Kliniken angeboten und durchgeführt wird. Insgesamt sind die operativen Risiken als gering einzuschätzen. Die Risiken steigen, wenn vor der PEG-Anlage (z. B. durch eine Verzögerung der Entscheidung für eine PEG) bereits eine hochgradige Gewichtsabnahme (über 10 % des Ausgangsgewichtes) entstanden ist.
Die Anlage einer PEG kann auch dann schwieriger werden, wenn eine Atemfunktionsstörung vorhanden ist. In dieser Konstellation besteht das Risiko, dass die ALS-bedingte Atemschwäche durch (die zur PEG-Anlage notwendige) Kurznarkose verstärkt wird und Beatmungstherapie notwendig macht. Zur Risikominimierung sollte eine PEG-Sonde möglichst frühzeitig und vor Beginn einer Atemfunktionsstörung angelegt werden. Wenn eine frühe PEG-Anlage nicht möglich ist und bereits eine reduzierte Atemfunktion vorliegt, sollte vor dem operativen Eingriff der PEG-Anlage das Risiko einer zusätzlichen Atemschwäche (verstärkt durch die Narkose) besprochen und die Möglichkeit einer Atemunterstützung während der PEG-Anlage vereinbart werden.
In seltenen Konstellationen muss eine Beatmungstherapie, die während einer PEG-Anlage notwendig wurde, auch nach Entlassung aus dem Krankenhaus fortgeführt werden. Auch diese Möglichkeit gehört zu den indirekten Risiken einer PEG-Anlage. So kann es während der operativen Prozedur der PEG-Anlage zu Komplikationen mit Blutungen im Operationsgebiet kommen.
Weitere Risiken betreffen eine Bauchfellentzündung (Peritonitis), die eine mehrtägige Nachbehandlung und einen verzögerten Krankenhausaufenthalt erforderlich machen kann. In den Tagen nach der PEG-Anlage können Beschwerden auftreten, die im Zusammenhang mit der beginnenden Nutzung der Ernährungssonde stehen. So kann die Verabreichung von größeren Volumina der Ernährungslösung dazu führen, dass eine erhebliche und ungewohnte Magenfüllung entsteht. Durch die Magenfüllung (»Magenblase«) kann die Bewegung des Zwerchfells etwas eingeschränkt werden. Im Fall einer hochgradigen Atemfunktionsstörung kann der PEG-bedingte Magenhochstand zu einer weiteren Atemanstrengung führen.
Nach PEG-Anlage sollte daher insbesondere bei einer Atemfunktionsstörung ein langsamer Kostaufbau vorgenommen werden. Dabei ist die Einbeziehung eines Ernährungsteams mit ALS-Erfahrung empfehlenswert. Trotz der zahlreichen genannten Risiken, die insgesamt selten sind und unter speziellen Konstellationen entstehen, sind die PEG-Anlage und die Durchführung einer PEG-gestützten Ernährung als sichere und etablierte Methode der Ernährungstherapie anzusehen.
