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Kann ich trotz ALS verreisen?

Die Reisefähigkeit hängt in erster Linie von den motorischen Defiziten und den zur Verfügung stehenden Mobilitätshilfen sowie von der sozialen Unterstützung ab.

Warmes Klima mit heißen Temperaturen wird (bezüglich der Muskelfunktion) meist gut toleriert. Der Einfluss von Kälte wird erfahrungsgemäß negativer bewertet, da eine Zunahme der Spastik bei geringeren Temperaturen und die Häufigkeit von Muskelkrämpfen entstehen können. Daher ist bei der Reiseplanung die zu erwartende Außentemperatur zu berücksichtigen und entsprechende Kleidung vorzubereiten.

Die eigene Mobilität, die Notwendigkeit von Mobilitäts- und Transferhilfen und Kommunikationssystemen ist bei der Auswahl von Reisezielen und bei der Vorbereitung von Reisetätigkeit ebenfalls zu beachten. Die Barrierefreiheit von Verkehrsmitteln, Hotels und sonstigen Unterkünften ist regional sehr unterschiedlich. Entsprechende Internetanwendungen sind bei der Recherche von entsprechender Barrierefreiheit eine wertvolle Hilfe. Auch verschiedene Selbsthilfeorganisationen können durch eigene Erfahrungen und Reiseberichte wertvolle Hilfe in der Entscheidungsfindung und Planung von Reisen leisten.

Mit einer entsprechenden Vorbereitung sind auch Fernreisen grundsätzlich möglich. Kritische Punkte, die einer speziellen Vorbereitung und Begutachtung bedürfen, sind die Mitnahme oder Verwendung von Beatmungsgeräten an Bord von Flugzeugen und Schiffen.

In Vorbereitung auf Flugreisen sollte mit einem Vorlauf von mehreren Monaten der flugmedizinische Dienst der entsprechenden Fluggesellschaft kontaktiert werden. Zu beachten ist, dass Stellungnahme und Gutachten für die Reisefähigkeit nicht zu den regulären Tätigkeitsmerkmalen einer ALS-Ambulanz gehören. Aufgrund der zeitlichen Belastung von Ärzten in ALS-Zentren kann die Bewältigung dieser Dokumente, deren Erstellung aufwendig ist, nicht vorausgesetzt werden. Daher ist die Unterstützung durch entsprechende Selbsthilfeorganisationen von besonderem praktischem Nutzen.

Die grundsätzliche Einschätzung der Reisefähigkeit in Bezug auf die Atemfunktion kann bei Flug- und Schiffsreisen bedeutsam sein. An verschiedenen medizinischen Einrichtungen, z. B. der Charité, sind flugmedizinische Ambulanzen etabliert, die (unabhängig von der ALS-Ambulanz) aus internistischer Sicht die Flugfähigkeit einschätzen. Dabei kann durch eine Belastungsübung die Luftzusammensetzung in einer Flugzeugkabine »simuliert« werden.

Tatsächlich kann der Sauerstoffgehalt in der Flugzeugkabine (insbesondere bei längeren Flugstrecken auf großer Höhe) um einige Prozentpunkte abnehmen und damit die Sauerstoffsättigung im Blut abgesenkt werden. Bei Vorliegen einer Atemschwäche (Hypoventilation) kann sich diese veränderte Luftzusammensetzung kritisch auf die Atemfunktion auswirken. Bei einer entsprechenden Atemschwäche sollte eine Flugreise vermieden oder die Nutzung von einer Maskenbeatmung an Bord mit der Fluggesellschaft abgestimmt werden.

Die Mitnahme von Beatmungsgeräten in die Flugkabine erfordert einen längeren Prüfprozess des konkreten Gerätes, da die Mitnahme von elektrischen Geräten und Kompressoren an Bord (ein Atemgerät ist ein elektrisch betriebener Kompressor) mit hohen Sicherheitsanforderungen belegt ist.

Insgesamt ist die Reisetätigkeit mit ALS möglich, aber mit größeren Vorbereitungen (in Abhängigkeit vom Schweregrad der Mobilitätsdefizite und der notwendigen Hilfsmittel) verbunden. Unter dem Aspekt der Teilhabe und der Lebensqualität sind Reisen mit ALS auch aus neurologischer Perspektive zu befürworten.

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