Kann eine Mangelernährung auch ohne Schluckstörung entstehen?
Bei einem Teil der Betroffenen kommt es auch ohne Schluckstörung zu einem unerwünschten Gewichtsverlust. Bei dieser Patientengruppe liegt eine ALS-assoziierte Stoffwechselstörung vor, die mit einem erhöhten Energiebedarf (»Ruheumsatz«) verbunden ist. Dieser ALS-bedingte Gewichtsverlust hat Parallelen zu anderen »konsumierenden« Erkrankungen (z. B. Krebserkrankungen), die zu einem Verbrauch von Fettreserven und einem Abbau von Muskelmasse führen (genannt: »primäres Wasting«-Syndrom).
Bei anderen ALS-Patienten kann der Gewichtsverlust infolge bestimmter ALS-Symptome entstehen (»sekundäres Wasting-Syndrom«). So erleidet ein Teil der Betroffenen bereits im frühen Krankheitsverlauf eine Schwäche der Rumpf- und Zwerchfellmuskulatur (axiale ALS), die mit einer Atemschwäche sowie mit einer erhöhten Atemarbeit und gesteigertem Energiebedarf verbunden ist. Die negative Energiebilanz kann verstärkt werden, wenn neben dem erhöhten Energiebedarf die Nahrungsaufnahme reduziert ist. Ein häufiger Grund ist ein Appetitverlust, der durch unterschiedliche Faktoren bedingt sein kann (Belastungssituation, depressives Syndrom, Obstipation). Die motorische Betroffenheit der Arme kann durch die Einschränkung von Bestecknutzung, Nahrungsvorbereitung und Essbewegungen zu einer verminderten Nahrungsaufnahme beitragen.
