Gibt es Gründe, auf eine Physiotherapie zu verzichten?
Die Zurückhaltung gegenüber medizinischen Maßnahmen kann die Diagnostik, Medikamente, operative Prozeduren, lebensverlängernde Maßnahmen, aber auch die Physiotherapie betreffen.
Die Gründe für die Ablehnung von Diagnostik und Therapie sind vielschichtig und nicht kritisierbar. Eine wichtige Voraussetzung für den Verzicht auf Therapiemaßnahmen ist ein Angebot der Ärzte gegenüber dem Patienten und einer detaillierten Information über den potenziellen Nutzen der Therapie und zugleich über die Implikationen des Behandlungsverzichtes.
Allerdings besteht auch hier das Recht des Patienten auf einen Informationsverzicht: Der Patient kann ebenfalls davon absehen, sich über die Möglichkeiten der Therapie und die Folgen des Behandlungsverzichtes informieren zu lassen.
Unabhängig von einem generellen Behandlungsverzicht können Patienten gezielt auf eine Physiotherapie verzichten. Häufige Gründe für einen Behandlungsabbruch oder den primären Verzicht auf eine Therapie ist die Abwendung von Belastungen, die sich aus einer Physiotherapie ergeben können.
Die Anreise (oder der Transport) zu einer Therapiepraxis, der Empfang eines Therapeuten zu Hause (Hausbesuch) und die zeitlichen Aufwendungen der Therapie, können als belastend und nicht akzeptabel erlebt werden. Hinzukommen die möglichen Anstrengungen, die sich durch eine aktive Krankengymnastik (mit Bewegungs- und Gangübungen) und einer anschließenden Erschöpfung ergeben können.
Gerade im Beginn einer Therapie, z. B. bei der Behandlung einer bereits bestehenden Spastik und Kontraktur, können Gelenk- und Muskelschmerzen entstehen. Trotz den Möglichkeiten einer effektiven Schmerztherapie kann das Entstehen von therapieassoziierten Schmerzen als nicht tolerabel eingeordnet und eine Physiotherapie abgelehnt werden.
In dieser Situation werden Patienten darüber informiert, dass innerhalb der Physiotherapie passive Behandlungsverfahren zur Verfügung stehen, die mit geringen Belastungen verbunden sind und auf eine Symptomminderung abzielen. Auch auf diese palliative Physiotherapie kann verzichtet werden, wenn keine belastenden Symptome vorliegen oder die Symptomkontrolle durch Medikamente erreicht werden soll.
Typische Gründe für eine Ablehnung der Physiotherapie im fortgeschrittenem Krankheitsverlauf sind der Wunsch nach Privatsphäre und der Verzicht auf Zeitaufwendungen, die mit der Physiotherapie verbunden sind.
