Eine überschüssige Ansammlung von Speichel im Rachen und Schlund (Sialorrhoe) gehört zu den häufigen Symptomen einer ALS, die als besonders belastend erlebt werden. Der Mensch produziert etwa 1,5 Liter Speichel pro Tag, der zumeist unbemerkt und „automatisch“ geschluckt wird. Diese Balance von Speichelproduktion und „Abtransport“ des Speichels (durch das Schlucken) wird bei einer ALS-bedingten Schluckstörung verändert – der ungeschluckte Speichel sammelt sich im Mund und Rachen und sucht sich den Weg nach außen (tropft aus dem Mund).
Dieser Verlust des Speichels hat verschiedene unerwünschte Effekte (Hantieren mit Taschentüchern, Mundhygiene, Nässebildung, äußeres Erscheinungsbild, mögliche Stig-matisierung). Daher ist die effektive Vermeidung oder Behandlung der Sialorrhoe ein wichtiges Therapieziel mit symptomatischer Medikation.
Allen Medikamenten ist gemeinsam, dass sie sekretreduzierte Eigenschaften aufweisen, die pharmakologisch als „anticholinerges“ Wirkprinzip bezeichnet werden. Dabei stehen unterschiedliche Medikamente zur Verfügung, mit denen eine Verbesserung oder Stabilisierung der Symptome erreicht werden kann. Das Ansprechen der Medikamente kann individuell sehr unterschiedlich sein und eine Dosisanpassung oder Kombination von Medikamenten erfordern.
Die häufigsten Medikamente sind:
• Ipratropiumbromid (in Form eines Mundspray)
• Pirenzepin (Tablettenform)
• Amitriptylin (Tabletten- und Tropfenform)
• Atropin (Tropfenform)
• Scopolamin (Membranpflaster, Kostenübernahme durch Kassen unsicher)
• Botulinumtoxin (Injektion in die Speicheldrüsen)
Die Behandlung der Sialorrhoe erfolgt in einer Stufentherapie:
Stufe 1: Monotherapie mit 1 Medikament (z.B. mit Ipratropiumbromid-Spray)
Stufe 2: Kombinationstherapie mit 2 Medikamenten (z.B. Ipratropiumbromid-Spray plus Pirenzepin)
Stufe 3: Kombinationstherapie mit Botulinumtoxin und 1-2 Medikamenten (z.B. Weiterführung von Ipratropiumbromid-Spray plus Pirenzepin)



