Kann das Tragen einer Orthese zu einer Zunahme des Muskelabbaus führen?
Eine häufige Frage berührt einen möglichen Nachteil des Tragens einer Orthese. Die Bedenken seitens der Patienten bestehen darin, ob die Ruhigstellung der Extremität während des Tragens der Orthese zu einem weiteren Abbau der motorischen Leistungsfähigkeit führen könnte. Das Tragen von Orthesen ist für bestimmte Situationen und begrenzte Zeiten vorgesehen (z. B. während des Arbeitstages oder beim Laufen außerhalb der Wohnung). Der Zeitraum ist wesentlich zu kurz, um einen Abbauprozess zu provozieren. Dabei ist auf das Grundprinzip des menschlichen Körpers zu verweisen, der für längere Ruhephasen (z. B. den täglichen Nachtschlaf) eingestellt ist, ohne dass ein Abbau von Muskulatur entsteht.
Wissenschaftliche Studien konnten zeigen, dass erst nach mehr als 24 Stunden der vollständigen Immobilisierung erste diskrete Anzeichen auf mikroskopischer Ebene für eine Veränderung von Muskulatur nachweisbar sind. Ein nachteilhafter Effekt einer Orthese (im Sinne einer Inaktivitätsatrophie) wäre erst nach einem mehrtägigen ununterbrochenen Tragen zu erwarten. Insgesamt sind die Sorgen um eine Beschleunigung des Krankheitsverlaufes durch das Tragen von Orthesen unbegründet. In der medizinischen Praxis ist das gegenteilige Phänomen zu beobachten: Orthesen werden (auch wenn sie vorhanden sind) oft »vergessen« und nicht immer eingesetzt, wenn sie einen Nutzen liefern könnten (z. B. die Erleichterung des Gehens beim Tragen einer Peroneusorthese).
