Was sind Zeichen der körperlichen Überlastung bei der ALS?
Eine der häufigsten Fragen von Menschen mit ALS besteht nach der körperlichen Belastbarkeit und dem Risiko der Überlastung durch körperliche Aktivität.
Grundsätzlich ist eine körperliche Aktivität, trotz Vorliegen von Paresen oder Spastik, von großer Bedeutung, um bestehende motorische Kompetenzen zu erhalten und negative Effekte zu reduzieren, die sich aus einer verminderten Aktivität ergeben. Vor diesem Hintergrund sind eine physikalische Therapie (insbesondere Krankengymnastik, Gangtraining und Atemtherapie) sowie die Nutzung von Bewegungstrainern die elementaren Bestandteile im Behandlungskonzept der ALS.
Trotz der prinzipiellen Wichtigkeit der körperlichen Aktivität sind bei der Anwendung von Physiotherapie und Therapiegeräten bestimmte körperliche Grenzen zu beachten. Wie bei jeder körperlichen Aktivität ist die individuelle Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen. Sie bezieht sich auf das Herz-Kreislaufsystem sowie den Muskel- und Bewegungsapparat.
Bereits bei der Zielstellung der Physiotherapie sollte beachtet werden, dass eine »Überwindung« der ALS im Sinne eines »Gegen-Trainings« nicht möglich und sinnvoll ist. Die maximale Belastbarkeit von Muskulatur bei der ALS ist bisher nicht wissenschaftlich untersucht worden.
Ein klinisches Anzeichen für eine Überforderung von Muskulatur ist das Entstehen von »Muskelkater« (Muskelschmerz, genannt: Myalgie), der sich aus der mechanischen Überforderung von Muskulatur ergibt. Beim Muskelkater ist von »Mikrotraumata« auszugehen, die mikroskopische Einrisse in den Faserstrukturen der Muskulatur darstellen.
Das regelmäßige Auftreten von Muskelschmerz nach körperlicher Aktivität ist als Zeichen der muskulären Überlastung zu verstehen. Das unregelmäßige Auftreten von Muskelschmerzen nach Übungen und Belastungen (mehrfach im Monat) ist als unproblematisch zu betrachten.
Von Muskelschmerzen (Myalgien) sind Sehnen- und Gelenkschmerzen (Arthralgien) zu unterscheiden. Gelenkschmerzen können insbesondere bei Beginn einer Physiotherapie entstehen, nachdem längere Phasen der geringen motorischen Aktivität vorlagen. Hier liegt es in der Kompetenz und Erfahrung des Physiotherapeuten, ein angemessenes Maß zwischen notwendiger Belastung (mit gerechtfertigtem Dehnungsschmerz) und einer Überforderung (mit Überlastungsschmerz des Gelenkapparates zu finden.
Auch bei Gelenkkapsel- und Sehnenschmerzen ist der Schmerz als Signal der Überlastung zu verstehen und die körperliche Belastung entsprechend anzupassen. Bei Auftreten von Schmerzen ist die Belastung zu reduzieren und erst in einem längeren Zeitintervall (über mehrere Wochen und Monate) zu steigern.
